Piraten am Himmel

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Einer von ihnen wollte ich sein, wieder und wieder in der Thermik kreisen – und heute, am 02.09.2012, sollte es soweit sein...

Rückblende: Der 03.08.2011 war der Tag meines ersten Alleinflugs. Lange hatte ich zuvor darauf hingearbeitet, und endlich durfte ich an diesem Tag die A-Prüfung ablegen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, als ich es damals an „meinem Tag“ geschafft hatte. Konnte das noch übertroffen werden?

Zurück ins Jahr 2012, genauer gesagt zum 12.08.2012: Wieder lag bis zu diesem Tag eine lange „Durststrecke“ hinter mir, um die der B-Prüfung vorgelagerten Übungen abzuschließen. Doch eine Woche zuvor hatte ich es geschafft – nun war ich bereit, die B-Prüfung abzulegen. Obwohl ich ähnlich aufgeregt sein würde wie bei der A-Prüfung, sagte ich Uwe Hölling anlässlich des Flugspiels, dass ich mich fit genug fühlen würde, die B-Prüfung heute abzulegen – er sah das ähnlich. Nach geschaffter Prüfung fiel eine große Last von mir ab, und ich freute mich wie verrückt, wieder eine Stufe auf dem Weg zur PPL-C (Fluglizenz für Segelflugzeugführer) erklommen zu haben. In den Wochen danach flog ich mit dem zweisitzigen Schulflugzeug „Bocian“ erstmals allein längere Zeit in der Thermik – zuvor waren die meisten Alleinflüge dem Üben von Elementen für die B-Prüfung vorbehalten. Vielleicht war es gerade dieser Flug, der mir eindrucksvoll zeigte, wie viel ich doch schon gelernt hatte und sicher anwenden konnte. Als es mir schließlich nach relativ kurzer Übungszeit gelang, bei einem Alleinflug mit dem Schulflugzeug im Landeanflug einen passablen Slip (Seitengleitflug) zu fliegen, wusste ich: Die Zeit für einen weiteren Piraten am Himmel ist reif ...

Kurz nach dem Briefing für den Flugbetrieb am 02.09.2012 fragte ich Rolf Barthel nach den Checklisten für das einsitzige Schulungsflugzeug „Pirat“. Eigentlich wollte ich die Liste nur vorsorglich haben, um mich schon immer mal damit beschäftigen zu können und vorbereitet zu sein, wenn sich bei einem der nächsten Flugtage die Chance zur Umschulung ergibt. Ich ahnte ja nicht, was ich mit meiner Frage bei Rolf in Gang setzte...

Als wir auf dem Flugplatz noch mit dem Startaufbau beschäftigt waren, kam Rolf auf mich zu und meinte; „Such` Dir mal `ne ruhige Ecke und füll` die Checkliste aus – wir reden dann noch mal `drüber!“. Nachtigall, ick hör`Dir trapsen... Gesagt getan, ich „schnappte“ mir das Betriebshandbuch des Schulflugzeugs „Pirat“ mit der Kennung „D-1827“ und bearbeitete die Checkliste: Mindestgeschwindigkeit, minimale sowie maximale Beladung, Leergewicht, Manövergeschwindigkeit, Gegenmaßnahmen bei Abkippen und Trudeln, ... Schließlich hatte ich es geschafft und legte Rolf mein Ergebnis vor. Er war offenbar ganz zufrieden und wies mich an, im Pirat D-1827 probehalber Platz zu nehmen. Ein bisschen anders sind die Instrumente ja schon angeordnet, und der erste Eindruck ist ungewohnt. Aber nichts und niemand sollte mich heute aufhalten – heute wird ein neuer Pirat am Himmel geboren!
So, wie ich zum Probesitzen in das Flugzeug eingestiegen und angeschnallt war, wurde ich nach dem Probesitzen sofort an den Start geschoben. Fabian Kalb gab mir vor meinem ersten Start im Einsitzer noch diesen und jenen Tipp mit auf den Weg, denn er erinnerte sich noch gut an seine eigenen Erstflüge mit diesem Flugzeug und ahnte wahrscheinlich, was mir gerade so durch den Kopf ging. Schließlich war es soweit: Startcheck durchgeführt, Schlepp- seil eingehangen, Meldung an den Flugleiter „D-1827 startbereit!“, und schon ging ́s ab. Bestimmt bin ich beim ersten Start ein wenig zu zögerlich gewesen – die Auskuppelhöhe lag bei knapp 300m. So blieb nur Zeit für eine ordentliche Platzrunde ohne Vollkreise. Egal – ordentlich gelandet, und der erste Flug im Einsitzer war geschafft. Uwe Hölling pflegt zu sagen: „Eine gute Landung ist, wenn der Pilot unverletzt bleibt, und eine sehr gute Landung ist, wenn man das Flugzeug anschließend wiederverwenden kann!“. Insofern war die erste Landung durchaus eine sehr gute. Mit jedem Start fand ich mich besser zurecht – wie wunderbar leicht kann man mit diesem Flugzeug Kreise fliegen, es funktioniert ja fast von selbst!

Dann kam schließlich der fünfte Flug, bei dem ich mich zu einer Startunterbrechung entschließen musste. Ich war mit dem Flugzeug aber bereits so vertraut, dass es mir gelang, diese Situation erfolgreich zu meistern – beherzt und (fast) ohne Herzklopfen. Immerhin war bei Startunterbrechungen bisher immer der Fluglehrer mit dabei – diesmal musste ich es alleine schaffen. Und ich hatte es geschafft – was mich schon ein wenig stolz machte. Nun war der Bann endgültig gebrochen, so dass es mir leichtfiel, die Frage von Uwe Hölling, der zwischenzeitlich die Beaufsichtigung meiner Umschulung von Rolf übernommen hatte, ob ich, weil man den Tag mit diesem Flug nicht enden lassen kann, noch einmal starten wolle, mit einem klaren „Ja, natürlich!“ zu beantworten.

Beim letzten Start gelang es mir, mich nach dem Auskuppeln in ca. 400m Höhe auf die über dem Flugplatz zulässige maximale Höhe von 600m „hochzukurbeln“. Leider fand ich den „Bart“ nach Auskreisen und Höhenabbau nicht wieder, so dass ich nach 18 Minuten landete – fast hätte ich am Tag meiner Umschulung die Übung „30 Minuten Alleinflug“ bereits meistern können. Es blieb der einzige Wermutstropfen einer – wie ich finde – gelungenen Umschulung.

Ein neuer Pirat am Himmel ist geboren – nun bin ich also tatsächlich einer von ihnen.

Geschrieben am 15. Oktober 2012 von Thomas Bindel.

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